Reise.reise

ReiseChristian Hussel/Holger Oertel

Geschichten von vier Kontinenten und den Meeren dazwischen

2011, Festeinband, 125 Seiten mit zahlreichen Farbabbildungen
ISBN 978-3-940116-05-5
14,80 €

 

 

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Leseprobe
… Ein Matrose auf dem Peildeck. Hisst drei Flaggen: Reederei, Charterer. Und die des Gastlandes: gelbes Kreuz, diagonal. Oberes und unteres Feld grün, die beiden anderen schwarz. Jamaika.
Seit Stunden keine andere Musik im Radio als Reggae, Begeisterung darob in unteren Bereichen, die nur bedingt zu variierende Rhythmik ermüdet beizeiten.
In einer ruhigen Minute zeigt Hansen nach Backbord, wo sich ein ausgedehnter Flachbau erstreckt, auf dessen Dach Bewaffnete hocken. Das Frauengefängnis von Kingston.
Der Lotse berichtet, wieder seien Polizisten in der letzten Nacht zu Tode gekommen, da sie Dienst taten im gefährlichen Viertel, in Down Town. Und überhaupt: Warnten nicht sämtliche Reiseführer (am eindringlichten freilich die US-amerikanischen) vor Kriminellen aller Couleur, vom betrügerischen Geldwechsler bis zum Straßenräuber auf Droge?
Inzwischen ist die PERU fest. Der Lotse geht von Bord.
Kapitän Hansen sorgt sich ums Wohl seiner Bordgäste, er will sich die Scherereien um einen beschädigten Passagier ersparen, mag dem nun ein Küchenmesser im Bauche stecken oder eine Kugel im Wadenbein. „Wenn Sie an Land gehen, bleiben Sie bitte zusammen. Fahren Sie nicht nach Down Town. Seien Sie möglichst zurück, ehe es dunkel wird.“
Ein Strohhut als Aufenthaltsbeweis, abgehandelt einem zugedröhnten Rastafari. Natürlich waren wir in Down Town …

Zum Buch
„Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche sich die Welt nie angeschaut haben“ schrieb einst Alexander von Humboldt. Dieses Buch enthält keine Texte über Weltanschauung, wohl aber Texte über das Anschauen der Welt. Christian Hussel und Holger Oertel eint der Drang zu reisen; er ist ihnen Lust und Flucht zugleich.
Von einigen dieser Reisen, vom Unterwegssein zu Wasser, mit Kraftfahrzeugen und zu Fuß berichtet dieses Buch. Ebenso wie die Menschen, die Landschaften, das Klima, Flora und Fauna in den besuchten Ländern, führen auch die Fortbewegungsmittel zu unterschiedlichen Wahrnehmungen. Mitunter verweisen Hussel und Oertel auf ihr Zuhause, das sie zwar nur bedingt als Heimat empfinden, wo aber Geliebte, Freunde und Verwandte leben, denen sie sich zugehörig fühlen.